Geschichtengalerie

Die Geschichten-Galerie ist ein nicht ganz gewöhnlicher Stand auf dem Wochenmarkt.

Er lädt dazu ein, innezuhalten, Bilder anzuschauen und ins Gespräch zu kommen.

Wie erlebten Menschen in Brandenburg den Wandel in den 90er Jahren?
Haben sich Perspektiven verändert?

Wir wollen dem Erlebten nachspüren: den Wünschen, Sehnsüchten und Befürchtungen - mit Blick auf das Kommende.

Aus den erzählten individuellen Schilderungen und persönlichen Botschaften entstehen Foto-und Hör-Porträts, welche auf dieser Plattform ein Archiv authentischer Stimmen abbilden.

Interviews

Monika & Wolfgang Bazyli

„Wir haben gleich gute Autos verkauft und die Leute nicht beschummelt. Heute sind die anderen Autohändler alle weg.“ 

Die Menschen in Eisenhüttenstadt kennen sie bis heute als „Eis-Ali“ aus der Milchbar ihrer Eltern.

Eigentlich ist Monika gelernte Fotografin. In den 1990ern stieg sie mit ihrem Mann in den Autohandel ein – ihre alte Liebe aber blieb die Eisdiele.

Eisenhüttenstadt / Brandenburg / 03.09.2020

Herr Reinhardt

„Wer damals mit dem eigenen Auto zur Arbeit gefahren ist, war dumm. Es gab überall öffentliche Verkehrsmittel.“

Auf dem Land geboren und aufgewachsen, wurde er Betonbaufacharbeiter in der DDR.

Für Kaufhallen und Kulturhäuser hat er die Fundamente gebaut. Nach 1990 verschwanden vieler dieser Gebäude und Herr Reinhardt verlor seine Arbeit. 1996 kam er nach Forst und begann ein Leben in der Stadt.  

Forst / Brandenburg / 25.08.2020

Günter Thonke & Herr Aquilewa

„Diese Haltung, unbedingt recht haben zu wollen, das sollte sich jeder beizeiten abgewöhnen.“

Bäckermeister Thonke – 1928 geboren – hat schon vor dem Krieg als Junge in der Backstube gestanden, die er bis 1988 leitete. Dann fiel die Mauer. Die Bäckerei gibt es bis heute – größer denn je. Seinen Freund Herrn Aquilewa kennt er seit Jahren - von der Handwerkskammer in Rathenow.

Rathenow / Brandenburg / 08.08.2020

Claudi & Otto

„Meine Oma hat hier bis 1994/95 in der Tuchfabrik gearbeitet. Die hat noch richtig Spinnerin gelernt.“

Sie kam als Friseurin nach Forst, er war dort Koch. Die alte Tuchmacherstadt hatte eine lebendige und aufregende Musikszene.

Aber das war vor fast 20 Jahren. Heute sitzen die beiden oft am Mühlengraben – egal bei welchem Wetter.

Forst / Brandenburg / 25.08.2020