Geschichtengalerie

Die Geschichten-Galerie ist ein nicht ganz gewöhnlicher Stand auf dem Wochenmarkt [3] .

Er lädt dazu ein, innezuhalten, Bilder anzuschauen und ins Gespräch zu kommen.

In vielen Regionen Brandenburgs sind die Folgen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft der 1990er Jahre noch immer präsent. Ausverkauf und Abwanderung stellten Familien, Freundschaften, Arbeits-Kollektive und soziale Beziehungen insgesamt auf den Kopf.

Wie erleben Menschen in Brandenburg den Wandel seit den 90er Jahren?
Haben sich Perspektiven verändert?

Wir wollen dem Erlebten nachspüren: den Wünschen, Sehnsüchten und Befürchtungen - mit Blick auf das Kommende.

Aus den erzählten individuellen Schilderungen und persönlichen Botschaften entstehen Foto-und Hör-Porträts, welche auf dieser Plattform ein Archiv authentischer Stimmen abbilden.

Portraits

Monika & Wolfgang B.

Monika & Wolfgang B.

Monika & Wolfgang B. | Eisenhüttenstadt | November 2020

„Wir haben gleich gute Autos verkauft und die Leute nicht beschummelt. Heute sind die anderen Autohändler alle weg.“ Monika B.

Die Menschen in Eisenhüttenstadt kennen sie bis heute als „Eis-Ali“ aus der Milchbar ihrer Eltern.

Eigentlich ist Monika gelernte Fotografin. In den 1990ern stieg sie mit ihrem Mann in den Autohandel ein – ihre alte Liebe aber blieb die Eisdiele.

Matthias Tavernier

Matthias Tavernier

Matthias T. | Eberswalde | August 2020

„Im Sommer haben wir mit Sensen und Fahrrädern die Fernwärme Trassen frei geschnitten. Wir hatten ein Fahrzeug dafür, da gab es oft kein Sprit, weil der ELLO auch 35 Liter Benzin auf 100 km verbraucht hat.“ Matthias T.

In Finow machte er eine Lehre zum Fernwärmemonteur, dann musste Matthias zur NVA. Als die Dienstzeit vorbei war, wollte er etwas anderes machen und wurde Gärtner. Ende der 1980er kaufte er ein Haus in Eberswalde. Als Corona kam, verlor er seinen letzten Gewerbemieter – und muss jetzt alles verkaufen.

Herr R.

Herr R.

Herr R. | Forst | August 2020

„Wer damals mit dem eigenen Auto zur Arbeit gefahren ist, war dumm. Es gab überall öffentliche Verkehrsmittel.“ Herr R.

Auf dem Land geboren und aufgewachsen, wurde Herr R. Betonbaufacharbeiter in der DDR. Über lange Jahre brachte ihn die Bahn in aller Frühe an verschiedenste Arbeitsorte im Straßenbau. 1996 zog er nach Forst und begann er ein Leben in der Stadt - ohne Baustelle, und ohne Fünf-Uhr-Zug.

Am liebsten geht er heute in die Bibliothek.

Kerstin A.

Kerstin A.

Kerstin A. | Jüterbog | Juli 2021

„[Nach der Wende] bin ich in eine Anwaltskanzlei gegangen. Ich dachte, da arbeiten ehrliche Leute. Ich war geschockt, wie da gearbeitet wurde.“ Kerstin A.

Als die Mauer fiel, war Kerstin 22 Jahre alt. In der DDR hatte sie eine Lehre im Öffentlichen Dienst als Facharbeiterin für Schreibtechnik gemacht und war als Berufanfängerin in der Kreisverwaltung Jüterbog beschäftigt – bis zum Mauerfall. In den Wirren der nun folgenden Verwaltungsreformen und Einsparungsmassnahmen verliess sie die Verwaltung – und eröffnete mit ihrem westdeutschen Partner eine Anwaltskanzlei. Heute will sie beruflich noch einmal neu anfangen.

Bernd K.

Bernd K.

Bernd K. | Eisenhüttenstadt | September 2020

„Ich war selber in der Partei und bin 1988 noch ausgeschlossen worden – weil ich halt damals auch ein paar Sachen angesprochen hab‘.“ Bernd K.

Bernd hat viel gelernt und viel gearbeitet: Nach der Schule eine Ausbildung als Bautischler, dann vier Jahre in der NVA als Tastfunker, danach eine Ausbildung zum Maschinenschlosser.

Nach dem Mauerfall besuchte er wieder Fortbildungen – diesmal im Bereich Personalgestellung. Trotzdem ist er heute in keinem dieser Berufe tätig.

Uwe H.

Uwe H.

Uwe H. | Rathenow | August 2020

„Neu Zugezogene sehen Ihre Stadt positiver als Alteingesessene.“ Uwe H.

Geboren in Pirna, verschlug es den studierten Lehrer Anfang der 1990er Jahre nach Rathenow. Damals stellte das Land keine neuen Lehrkräfte ein – und er wurde Journalist.

Seitdem schreibt er. Aus der Region – für die Region.

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